Das „Gasthaus Weber” im alten Dorfmittelpunkt

Wiedereröffnung zur 725-Jahr-Feier: 

In Sohren und Umgebung geht man wieder „an Stauere”

Noch deutlicher konnten Auguste und Hans Weber den Namen ihrer Wirtschaft damals kaum auf die Hausfront schreiben: „Gasthaus Weber” prangt bis heute in großen Lettern an einem der ortsprägendsten Gebäude von Sohren. Genutzt hat es wenig. Weit über ein Jahrhundert gingen die Sohrener immer nur „an Stauere“. Sie trafen sich, genau wie die Bewohner der umliegenden Gemeinden, sehr gerne „an Stauere“, dem beliebten „Gasthaus Weber” mit lebendiger Tradition. Überliefert sind viele spannende Geschichten. Vom Tanzsaal mit Bühne im ersten Obergeschoss, von nicht ganz ungefährlichen Flugversuchen in der Scheune, vom Tanz auf den Tischen bis zum Umfallen, von einem Spielautomaten, der cleveren jungen Leuten bei gezielt eingesetzter Trittkraft das Kinogeld spendierte, oder von einem Wirt, der jede Sperrstunde ignorierend, gekonnt nächtelang Klavier spielte und dazu sang ...

Als der überzeugte Gastwirt Nor­bert Weber 1998 verstarb, endete eine Ära der Dorfgeschichte. Hier im alten Dorfmittelpunkt, gleich an der Backesbrück, spielte sich über hunderte von Jahren das dörfliche Leben von Sohren ab. Gleich gegenüber des beeindruckenden alten Fachwerkhauses stand damals noch der Backes, das alte Backhaus mit Glockenturm und öffentlicher Badeanstalt obendrüber. Hier war auch die Viehwaage und hier wurde stets die Kirmes, der Michelsmarkt, abgehalten.

Zum „Gasthaus Weber” war es nie weit. Heute stellt sich das „Gasthaus Weber” wieder vor, mit zukunftsweisendem Konzept, als Forum für alle Sohrener und für alle aus der Umgebung. Es will ein Haus sein für die, die etwas zu feiern haben, die lehren oder lernen wollen, die einen Platz für ihre Kreativität suchen – oder, die sich ganz einfach mitten in Sohren treffen möchten. Nach einer sensiblen Renovierung in diesem Jahr erscheint das „Gasthaus Weber” in neuem Gewand, außen wie innen mit seinem ganz eigenen Charme.

Das engagierte Betreiber-Team ist für Ihre Wünsche offen und freut sich darauf, den alten Sohrener Ortskern und ein historisches Haus neu zu beleben: „Gasthaus Weber” – Wir geben Ihren  Ideen  Räume! Ganz pünktlich zur 725-Jahr-Feier öffnet das „Gasthaus Weber” endlich wieder seine Türen.

Seien Sie dabei, am 3.  Oktober, ab 12 Uhr bis 14   Uhr zum Frühschoppen mit „Federweißer & Zwiebelkuchen” und ab 19 Uhr zur großen „ü 30-Eröffnungsparty”. Oder kommen Sie am Markttag, dem 4.  Oktober, zum „Tag der offenen Türen” mit Ballonwettbewerb und Ideenforum. Das „Gasthaus Weber” gehört untrennbar zu Sohren, jeder, der end­lich einmal – oder endlich wieder „an Stauere“ gehen will – ist herzlich eingeladen!

gasthaus weber_1900Der Lederhändler und Gastwirt Anton Schönborn aus der Metzgerei Schönborn, Sohren, Hauptstraße 13, betrieb mit seiner zweiten Ehefrau Katharina, geborene Dillmann, das „Haus Schönborn“ und warb mit „gut bürgerlicher Küche“. Der Eingang zur Gaststätte ist rechts über den Hof. Die Tür nach vorne zur Hahner Straße, damals Hahner Weg, führte in die Sattlerei von Fritz Wüllenweber, der mit seiner Frau von der Mosel in den Hunsrück gezogen war. Sein Sohn Siegfried wurde hier im Haus geboren, er gründete später den Gretenhof am Ortsrand von Sohren.

 

gasthaus weber_1950Die Tochter von Anton und Katharina, Auguste Schönborn, verwitwete Schmidt, führte den Betrieb zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Hans Weber als „Gasthaus Weber“ weiter. In den 1930er Jahren bauten sie einen Tanzsaal mit Bühne in der ersten Etage aus, Rundbögen in der rückwärtig angrenzenden Scheune zeugen bis heute davon. 1949 baute die mit „Tante Gusta“ verwandte Familie Freisem aus dem Saarland diesen Saal zur eigenen Wohnung aus. Gleich darunter, im heutigen Kaminsaal, betrieb Karl Freisem nach dem zweiten Weltkrieg seine Schusterei.

 

gasthaus weber_1998Bis ins Jahr 1998 leiteten die beiden Kinder von Auguste, Anita Schmidt und Norbert Weber, gemeinsam erfolgreich das „Gasthaus Weber”. 1950 wurden die oberen Etagen zu Fremdenzimmern ausgebaut. Hier waren Bauarbeiter für den Nato-Flugplatz Hahn untergebracht, später häufig auch Angehörige der amerikanischen Streitkräfte. Als Norbert Weber 1998 verstarb wurden die Rollläden geschlossen. Die stets so beliebte Gaststätte stand fast vierzehn lange Jahre leer.

 

 

gasthaus weber_20112010 konnte die gebürtige Sohrenerin Christine Kruizenga, zusammen mit ihrem Ehemann Geert-Jans, das ortsprägende Gebäude, ihr Traumhaus seit Kindertagen, erwerben. Nach sensibler Renovierung soll das Erdgeschoss sowie das Außengelände mit Garten künftig von einem Betreiber-Team als Veranstaltungshaus geführt werden. „Das Gasthaus und seine Gäste kön­nen so dazu beitragen, den ehemaligen Dorfmittelpunkt von Sohren neu zu beleben.“